Naturschutzfachliche Gründe für die Verwendung gebietsheimischer Gehölze

Bei Pflanzmaßnahmen in der freien Landschaft werden jährlich in millionenfacher Stückzahl einheimische Gehölze ausgebracht. Die massenhaft verwendete Pflanzware ist gekennzeichnet durch
  • eine geringere Artenvielfalt,
  • geringere genetische Diversität infolge klonaler Vermehrung,
  • die Herkunft des Saatgutes aus anderen Gebieten.
Dies hat erhebliche Konsequenzen für die Biodiversität der einheimischen Gehölzflora.
  • Importiertes Saatgut beeinflusst den heimischen Genpool und führt zu Veränderungen natürlicher Evolutionsprozesse.
  • Vegetativ vermehrtes, genetisch einheitliches Pflanzenmaterial führt zu einer Verringerung der innerartlichen Vielfalt der Gehölzflora und zu einer Abnahme der Biodiversität.
  • Einseitige Vermehrung ausgewählter Arten führt zur Abnahme der Biodiversität der einheimischen Gehölzflora. Bisher wurden z.B. nur etwa 2 von 17 in Brandenburg heimischen Wildrosenarten in Baumschulen kultiviert.
  • Die selbständige Ausbreitung und Einkreuzung der gepflanzten Genotypen führt zur Verdrängung selten gewordener ursprünglicher Genotypen.
  • Herkunftsvergleiche ergaben, dass fremde Herkünfte häufig schlechter an hiesige klimatische Bedingungen angepasst sind (z.B. größere Frostgefährdung vermindertes Wachstum, höhere Krankheits- und Schädlingsanfälligkeit).
  • Bei der Pflanzung gebietsfremder Herkünfte werden z.T. schlechtere Anwachsergebnisse erzielt, so dass auch ökonomisch relevante Beeinträchtigungen bestehen.
Nach § 41 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) ist die Ausbringung gebietsfremder Arten in der freien Natur genehmigungspflichtig. Der gesetzliche Artbegriff umfasst auch Unterarten und Populationen. Bei möglichen negativen Auswirkungen auf die heimische Tier- und Pflanzenwelt ist die Ausbringung zu untersagen. Durch die grundsätzliche Verwendung gebietsheimischer Gehölze in der freien Landschaft können solche Beeinträchtigungen vermieden werden. Der Anbau von Gehölzen in der Land- und Forstwirtschaft ist hiervon ausgenommen.

In Brandenburg wurde ein Erlass zur Sicherung gebietsheimischer Herkünfte bei der Pflanzung von Gehölzen in der freien Landschaft verabschiedet, der die Verwendung gebietsheimischer Gehölze bei zahlreichen Maßnahmen im Geschäftsbereich des MLUV vorschreibt.

Literatur:

Kowarik, I. & Seitz, B. 2003: Perspektiven für die Verwendung gebietseigener Gehölze. NEOBIOTA 2: 3-26